Celia Bernecker Preis geht an Dirk Schäffer

Das bundesweite JES Netzwerk freut sich mit Dirk Schäffer, dem Referenten der Deutschen AIDS Hilfe für den Fachbereich Drogen und Haft, den aktuellen Preisträger der höchsten Auszeichnung des JES-Netzwerks vorstellen zu können.

Die Verleihung des Celia Bernecker Preises fand im Rahmen des Deutsch-österreichischen AIDS Kongresses in der Wiener Hofburg statt.

Der Preis, welcher den Namen von Celia Bernecker Welle trägt, die 1993 an den Folgen Ihrer AIDS Erkrankung verstarb, ehrt: “Humanität als tatkräftiges Mitgefühl mit AIDS Kranken und positiven Menschen“ Celia Bernecker war als Mitglied des JES Sprecherrates und als Mitarbeiterin der Münchner AIDS Hilfe, vielen Menschen als eine Frau bekannt, die stets bereit war, mit aller Kraft für die Interessen von Menschen zu kämpfen, die von Ausgrenzung /Diskriminierung und Kriminalisierung betroffen waren.

Als Drogengebraucherin, die sich selbst über i.v. Drogenkonsum mit HIV infizierte, galt ihr ganz besonderes Interesse dem gemeinsamen und solidarischen Kampf für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen. Celia gehörte daher, fast schon zwangsläufig, auch zu den Mitbegründern des JES Netzwerks

In Erinnerung an Celia Bernecker wird mit der Medaille aussergewöhnliches Engagement für HIV Positive und an AIDS erkrankte Menschen geehrt.

Auszüge aus der Laudatio von Marco Jesse:

Bei den überlegungen, die der Benennung vorangingen, stellte sich schnell heraus, dass eine Ehrung des Preisträgers lange überfällig ist. Sein Engagement und sein Einsatz in den letzten Jahren – im Interesse von Drogengebrauchern- ist aussergewöhnlich. Aus diesem Grund halten wir ­ das JES Netzwerk- es einer Auszeichnung für würdig.

Dirk Schäffer erhält den Celia Bernecker PreisDirk arbeitete seit 1994 als ehrenamtlicher Helfer in der Drogen und AIDS Selbsthilfe Bonn. Er fand schnell Gefallen daran sich zu engagieren und so besuchte er bald seine ersten JES Seminare. Dort traf er auf weitere Gleichgesinnte. Im DASB wurde ihm aufgrund seiner Motivation, schnell eine AMB Stelle angeboten. Im Rahmen dieser Beschäftigung wurde er gebeten ­ andere sagen vielleicht, er wurde überredet – die Koordination der Westschiene zu übernehmen.

Als der damalige JES Bundeskoordinator Robert Böhm schwer erkrankte, ging Dirk zuerst als Vertretung nach Berlin. Aus dem traurigen Anlass des Todes von Robert, übernahm er später die Koordinationsstelle ganz. Als die nötigen finanziellen Mittel für eine eigenständige JES Koordination im Jahr 2000 nicht weiter zur Verfügung standen, wechselte Dirk in das Drogenreferat der Deutschen AIDS Hilfe, wo er seitdem als Fachreferent tätig ist.

Mich persönlich hat Dirk durch viele Jahre JES Engagement begleitet und es gibt kaum einen anderen Menschen, der die Veränderungen, innerhalb und ausserhalb des Netzwerks, entscheidender mitgeprägt hätte. So war es auch Dirk, der dem Sprecherrat geholfen hat, unter den veränderten Voraussetzungen – wie der Einstellung der Koordinationsstelle, dem Generationswechsel unter Drogengebrauchern uvm.- so effizient zu arbeiten wie er es heute tut. Es war ihm immer ein besonderes Anliegen, nicht nur von Demokratie, Gleichberechtigung und Vorurteilsfreiheit zu reden, sondern dieses auch im praktischen Umgang zu leben. So hat sich das Bild von JES in der öffentlichkeit stark verändert.

Anders, als noch in den Gründungsjahren, wird die akzeptierende Drogenselbsthilfe heute viel mehr von allen Drogengebrauchern gemeinsam repräsentiert.

So wichtig markante Köpfe wie Werner Hermann, für die Entwicklung von JES, zu einem kompetenten und verlässlichen Partner in der Deutschen Drogenhilfelandschaft waren, so wichtig war es auch, die Arbeit und die Verantwortung auf die Schultern mehrerer zu verteilen. Dies war sicher nicht immer ganz leicht. Immer wieder gab es Phasen, in denen ein grosser Teil der JES Arbeit trotz allem an Dirk hängen blieb. Nur sein enormes persönliches Engagement hat uns in diesen Situationen vor Pleiten, Pech und Pannen bewahrt . Er hat dabei aber nie den Mut, die Zuversicht und vor allem das Vertrauen verloren. Nicht zuletzt dieser Beharrlichkeit ist es zu verdanken, das es mittlerweile beinahe schon normal ist, das JES Aktivisten auf Kongressen und Veranstaltungen auftreten und ihre Standpunkte vertreten können.

So optimistisch sich dieser Rückblick anhören mag, so viel bleibt noch immer zu tun. Gerade die einschneidenden Veränderungen in der bundesdeutschen Sozial-, Gesundheits-, und Arbeitsmarktpolitik stellen JES vor vielfältige neue Aufgaben. Besonders gesellschaftlichen Randgruppen, zu denen Drogengebraucher leider immer noch genauso zählen wie HIV Positive und AIDS Kranke, weht ein eisiger Wind entgegen.

Wir werden nicht weniger, sondern mindestens genauso viel Kraft brauchen, wie in den vergangenen 15 Jahren, um erreichtes beizubehalten und hoffentlich noch ein paar Schritte weiter voran zu gehen. Dazu können wir nur darauf hoffen, dass es Menschen wie Dirk Schäffer gibt, die mit uns gemeinsam, für ein menschenwürdiges Leben kämpfen.

Es ist mir eine ganz besondere Ehre den Celia Bernecker Preis des bundesweiten JES Netzwerks an unseren Freund und Kollegen Dirk Schäffer zu überreichen.

Unser Dank geht dabei an die DAH die durch Ihre finanzielle Unterstützung die Vergabe des Preises erst möglich gemacht hat.

Marco Jesse
JES – Bundessprecher

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