Hilfe zur Selbsthilfe

„Drogengebraucher besitzen ebenso wie alle anderen Menschen ein Recht auf Menschenwürde. Sie brauchen es sich nicht erst durch angepasstes und abstinentes Verhalten zu erwerben!“

– aus der Gründungserklärung von JES –

Die Initiative zur Gründung unseres Netzwerks erfolgte in der Hochphase der HIV-Krise unter maßgeblicher Förderung der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. und einiger regionaler AIDS-Hilfen.

Intravenös Drogen gebrauchende Menschen waren zu diesem Zeitpunkt die zweitgrößte Gruppe unter den Infizierten. Es gab weder rechtlich abgesicherte Spritzenvergabeprojekte, noch Kontaktläden und Drogenkonsumräume so wie wir sie heute kennen. Auch die Zugänge zur Substitution waren massiv eingeschränkt.

In dieser Situation schlossen sich zumeist bereits infizierte Drogengebraucher_innen zum bundesweiten Netzwerk zusammen. Relativ schnell bildeten sich dann JES-Gruppen/-Vereine in bundesdeutschen Großstädten – darunter auch in Dortmund, Düsseldorf, Köln und Bonn. In diesen Städten erhielten die JES-Vereine sogar Landesförderungen, die die Einrichtung niedrigschwelliger JES-Kontaktläden ermöglichte.

JES-Leitideen

Für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen

Im Laufe der letzten 30 Jahren hat sich das JES Netzwerk als kritisches Gegenüber der Drogenpolitik und Drogenhilfe positioniert und vielfach als Interessenvertretung Stellung bezogen. Als Teil der bundesweiten Bewegung vertreten wir folgende Leitideen:

Unsere Leitidee

Wir wollen gesellschaftliche Bedingungen schaffen, unter denen Menschen auch mit Drogen menschenwürdig leben können. Menschenwürdig bedeutet z.B. ohne die Bedrohung durch Strafverfolgung, ohne Ausgrenzung und permanente Benachteiligung.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Für alle Gruppen im JES-Bundesverband ist unsere Leitidee verbindlich und die Grundlage unserer gemeinsamen Arbeit.

Keine Aufforderung zum Drogenkonsum

Unser Leitidee ist nicht als Aufforderung zum Drogenkonsum zu verstehen. Wir wissen genau, dass ein Leben mit Drogen unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oft mit Illegalität, Diskriminierung und gesundheitlicher Gefährdung verbunden ist. Außerdem respektieren wir das Recht jedes/jeder Einzelnen, sich für oder gegen den Konsum von Drogen zu entscheiden. Wir sind deshalb weit davon entfernt, Drogenkonsum zu idealisieren und zu propagieren.

Das heißt es für uns

Wir unterstützen Drogenkonsument_innen, indem wir auf entsprechende Rahmenbedingungen hinwirken. Wir vermitteln Wissen und ermutigen dazu, Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln, um fremd- und selbstzerstörerischen Drogengebrauch zu vermeiden (Safer Use). Unsere Arbeit ist in diesem Sinne immer auch Arbeit an der Entwicklung, Stabilisierung und Weitergabe einer Drogenkultur, die sich an einem Gebrauch mit selbstgesetzten Regeln orientiert. Solche Regeln sollen einen Lebensstil ermöglichen, der niemanden schädigt, sondern Selbständigkeit, Selbstachtung und Lebensfreude ermöglicht.