Projekt Ländliche Versorgung

Wie bereits erwähnt fördert das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales unter dem Projektnamen Ländliche Versorgung die JES Selbsthilfe in Nordrhein-Westfalen. Es gilt, die JES-Selbsthilfe vor Ort zu aktivieren bzw. zu reaktivieren. Darüber hinaus soll ein selbsthilfefreundliches Kooperationsnetzwerk geschaffen und eine landesweite Vernetzung der Selbsthilfeengagierten gestaltet werden.

In der Versorgung von Konsumenten:innen illegalisierter Substanzen herrscht ein großes Gefälle zwischen Stadt und Land.

Unsere Mitglieder und auch Betroffene, die wir unterstützen, berichten seit Jahren davon, dass in ländlichen Gebieten medizinische Einrichtungen im Allgemeinen und substituierende Ärzte im Besonderen, kaum zu finden sind. Auch Drogenberatungsstellen sind weit entfernt. Sie zu erreichen erfordert Mobilität, finanzielle und zeitliche Ressourcen – insbesondere, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Damit nicht genug, zumeist leiden Drogengebrauchende Menschen unter vielfältigen gesundheitlichen Problemen, die längere Fahrtwege zu Ärzten etc. zu einem großen Problem werden lassen.

So diktiert(e) uns der Bedarf drogengebrauchender Menschen aus den ländlichen Gebieten einen notwendigen Handlungsbedarf bzw. eine Projektidee.

Was wollen wir in ländlichen Gebieten erreichen:

  • Versorgungslücken benennen
  • praktische Unterstützung von drogengebrauchenden Menschen in ländlichen Gebieten anbieten
  • die Sensibilisierung des Themas durch den Aufbau von fachlichen Netzwerkstrukturen vorantreiben
  • Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Förderung von Drogenselbsthilfen (auch in ländlichen Gebieten) erarbeiten.

Wohlwissend, dass wir ein Selbsthilfe-Landesverband mit eingeschränkten Ressourcen sind, benötigen wir zur Umsetzung eines solchen Projektes staatliche Unterstützung. Darüber hinaus war uns schon nach kurzer Zeit bewusst, dass wir uns auf einzelne Regionen im ländlichen Bereich in NRW beschränken müssen. Kurzum, wir haben uns dafür entschieden, die Region Unna als Projektstandort zu wählen.

Anfang 2021 – mitten in der Coronapandemie – konnten wir mit Hilfe der Projektförderung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales endlich beginnen, Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern, sowie zu den örtlichen Szenen in Unna und Umgebung zu knüpfen. Es bedurfte einiger Anstrengungen, vieler Gespräche, E-Mails und Telefonate, um verlässliche Kooperationen in Unna aufzubauen. Eine besondere Erschwernis in diesem Bereich waren zu Beginn sicher die fehlenden persönlichen Treffen, bedingt durch die Pandemie.

Allen widrigen Umständen zum Trotz ist es uns gelungen, Kooperationen mit folgenden Träger:innen aufzubauen:

  • der Suchthilfe Unna gGmbH
  • der Aidshilfe Unna
  • der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Kreis Unna
  • dem Projekt LÜSA
  • der Diamorphin-Ambulanz Holzwickede
  • dem ambulant betreuten Wohnen „Stoffwechsel“

Selbstverständlich gelang uns das auch mit den Menschen – den Betroffenen der Szenen in Unna und Schwerte – zu denen wir durch regelmäßiges Streetwork eine mittlerweile sehr gute Beziehung aufbauen konnten.

Darüber hinaus haben wir in Unna ein klassisches Selbsthilfeangebot für Betroffene von Betroffenen etabliert.
Konkret zählen hierzu:

  • unsere Gruppenangebote an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat, von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr, im Gesundheitshaus-Kreis Unna,
  • regelmäßige landesweite Projektbeiräte u.a. in Unna, ebenfalls in den Räumen vom Gesundheitshaus des Kreises.

Die Pandemie hat uns den Weg für Online-Projektbeiräte „geebnet“, sodass wir diese mittlerweile in Hybrid anbieten, d.h. es besteht die Möglichkeit sowohl Online als auch in Präsenz teilzunehmen.

Zusätzlich bieten wir in den ländlichen Gebieten Schulungen, Trainings, Kurzinterventionen/Settings und auch Sucht-Prävention an. Hierzu zählen insbesondere Naloxonschulungen sowie durch Drittmittel finanzierte HCV- und HIV-Schnelltests.

Ein weiteres Angebot besteht in der Möglichkeit, an einem KISS-Programm teilzunehmen (KISS = Kompetenz im selbstbestimmten Substanzgebrauch). Dieses läuft 12 Wochen zu je einem Termin mit einer Stunde pro Woche. Hierbei geht es zunächst um einen bewussten Umgang mit den individuellen Konsummitteln und möglicherweise auch darüber hinaus um Reduktion und auch – wenn gewünscht – um das Ziel der Abstinenz. Die Ziele werden von den Teilnehmenden selbst bestimmt.

Wie in vielen Selbsthilfen üblich beraten und begleiten wir auf Wunsch auch zu Terminen mit Ärzten:innen, beispielsweise Substitutionsärzten:innen, zu Behörden, aber auch zur Psychosozialen Betreuung (PSB).

Selbstverständlich gehört auch Freizeitgestaltung mit zu unseren Angeboten. So ist eine mehrtägige Kanutour geplant, zur Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit. Sich im Team zu betätigen und Achtsamkeit in einer akzeptierenden Gemeinschaft zu erleben ist uns ein Anliegen.

Unser Ziel ist es gesellschaftliche Teilhabe für Betroffene wieder erlebbar zu machen.

Zu allen Angeboten (wie z.B. zu Projektbeiräten oder Schulungen/Seminaren) besteht für die Teilnehmenden die Möglichkeit der Fahrtkostenerstattung. Darüber hinaus bieten wir für Tages- und Mehrtagesveranstaltung Unterstützung bei der Organisation der Substitution an.

Ansprechpartner in Unna ist:

Björn Peterburs
Projektmitarbeiter JES-NRW e.V.
Tel.: 0157-37796193
Mail: bjoern.peterburs@jesnrw.de

und für alle anderen Regionen in NRW

Torsten Zelgert
Projektleitung JES NRW e.V.
Tel.: 0176-93635668
Mail: torsten.zelgert@jesnrw.de

An dieser Stelle möchten wir uns nochmals herzlich beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales und bei der Aidshilfe NRW bedanken, die das Projekt Ländliche Versorgung  überhaupt erst ermöglichen. Unser Dank richtet sich auch an die vielen ehrenamtlichen Projektmitarbeitenden und bei den kooperierenden Einrichtungen.

Selbsthilfe braucht Förderung und Unterstützung

Vor 20 Jahren gab es in vielen nordrhein-westfälischen Städten JES-Gruppen. Die damals aktiven Mitglieder mussten ihr Engagement aus vielfältigen Gründen beenden – Gesundheit, finanzielle Mittel, mangelnde Zeit im Rahmen der Substitution.

Dieses verlorene Potential hat das
Projekt JES NRW 2.0
reaktiviert. Dennoch werden in den Kommunen weitere Kooperationspartner gesucht, die das Projekt vor Ort aktiv unterstützen!