Verändern, um Leben zu retten
Pressemitteilung zum Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am 21. Juli 2026
Am 21. Juli wird der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogen gebrauchende Menschen begangen. An zahlreichen Orten Deutschlands und darüber hinaus, erinnern Angehörige, Freunde, Selbsthilfeinitiativen, Einrichtungen der Suchthilfe und Drogen gebrauchende Menschen an diejenigen, die infolge von Überdosierungen, den Risiken des illegalen Drogenmarktes oder fehlender gesundheitlicher und sozialer Unterstützung ihr Leben verloren haben.
Auch die JES-Ortsgruppen in Nordrhein-Westfalen beteiligen sich an diesem Gedenktag. Mit Gedenkveranstaltungen setzen sie ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung sowie für eine Drogenpolitik, die Gesundheit, Menschenwürde und den Schutz von Leben in den Mittelpunkt stellt – wie die Bilder aus Düsseldorf beispielhaft zeigen.


im Hof der Flur 45

Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in Deutschland bleibt auf einem erschreckend hohen Niveau. Im Jahr 2025 starben bundesweit 2.150 Menschen an den Folgen des Konsums illegalisierter Drogen. Damit ist die Zahl gegenüber dem Rekordjahr 2023 (2.227 Todesfälle) zwar leicht zurückgegangen, sie liegt jedoch weiterhin deutlich höher als noch vor zehn Jahren. Besonders besorgniserregend ist der starke Anstieg der Todesfälle unter jungen Menschen sowie die zunehmende Verbreitung hochpotenter synthetischer Opioide und riskanter Mischkonsumformen.
Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar.
Hinter jeder Zahl steht ein Mensch – mit Familie, Freundschaften, Hoffnungen und einer eigenen Lebensgeschichte.
„Der Gedenktag erinnert uns daran, dass drogenbedingte Todesfälle kein unabwendbares Schicksal sind. Sie sind häufig die Folge unzureichender Hilfsangebote, von Stigmatisierung und einer Drogenpolitik, die Gesundheitsschutz noch immer nicht konsequent in den Mittelpunkt stellt“, erklärt Björn Peterburs, Projektleiter von JES NRW.
JES NRW fordert deshalb den konsequenten Ausbau bewährter Maßnahmen der Schadensminderung (Harm Reduction). Dazu gehören insbesondere:
- eine flächendeckende Versorgung mit Naloxon, um tödliche Opioid-Überdosierungen zu verhindern,
- ausreichend Drogenkonsumräume und niedrigschwellige Hilfsangebote,
- Drug Checking als wirksame Maßnahme zur Risikominimierung,
- ein verbesserter Zugang zu Substitutionsbehandlungen,
- der konsequente Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung gegenüber Drogen gebrauchenden Menschen.
Gerade vor dem Hintergrund eines sich verändernden illegalen Drogenmarktes mit hochpotenten synthetischen Opioiden, Nitazenen, Fentanyl-Derivaten und unvorhersehbaren Beimengungen sind präventive Maßnahmen wichtiger denn je. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich: Repression allein rettet keine Menschenleben. Gesundheitsschutz, Schadensminderung und niedrigschwellige Hilfen müssen endlich Vorrang vor Ausgrenzung und Kriminalisierung erhalten.
Der Gedenktag richtet sich nicht nur an Menschen, die Angehörige oder Freunde verloren haben. Er ist zugleich ein gesellschaftlicher Appell, alles dafür zu tun, vermeidbare Todesfälle zu verhindern und Drogen gebrauchenden Menschen mit Respekt, Solidarität und wirksamen Hilfsangeboten zu begegnen.
Jeder Mensch zählt. Jeder vermeidbare Todesfall ist einer zu viel!
JES NRW e.V. ist ein Landesverband und Teil des bundesweiten JES-Netzwerks (Junkies, Ehemalige, Substituierte und Sympatisanten). Als Selbstvertretung von Drogen gebrauchenden Menschen setzt sich JES NRW für Gesundheitsförderung, Schadensminderung, soziale Teilhabe und die Entstigmatisierung von Menschen ein, die illegale Drogen konsumieren. Ziel ist eine menschenrechtsorientierte Drogenpolitik, die Leben schützt und Gesundheit fördert.
JES NRW e. V.
Telefon: 02204-9840854
E-Mail: info@jesnrw.de
Bundes- und landesweit beteiligen sich zahlreiche Einrichtungen und Initiativen am Gedenktag. Selbst Vertretende aus der Politik sind dabei. Hier einige Links:
- https://www.gedenktag21juli.de/
- https://www.vision-ev.de/2026/07/21/pressemitteilung-gedenktag-2026/
- https://www.suchthilfeverbund-duisburg.de/pressemitteilung-internationaler-gedenktag-fuer-verstorbene-drogengebrauchende-am-21-juli/
- https://www.sascha-h-wagner.de/politik/sascha-h-wagner/detail/news/veraendern-um-leben-zu-retten-die-linke-fordert-einen-radikalen-kurswechsel-in-der-drogenpolitik/


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