JES Nordrhein-Westfalen e.V.

Presse

Gedenktag für Opfer der Drogen

Bonn, 23.07.2005

Auf den Stufen zum Bonner Loch stehen Holzrahmen, zeigen Fotos wie das von Alexander, der auf einer Campingdecke im Grünen sitzt. “Ein trauriger Fall. Durch seine HIV Erkrankung entwickelte er vor seinem Tod eine Demenz", erinnert sich Heidi Friemann, Psychologin bei der AIDS-Initiative Bonn.

In einem - ebenfalls gerahmten - Brief bittet Stefan die Psychologin, immer für ihn mit zu lächeln, “sollte ich sterben und dich für eine Weile hier lassen". Mit 29 spritzte er sich eine überdosis Heroin. Friemann stand bei Stefans Beerdigung allein am Sarg.

Am “8. Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen" haben AIDS-Initiative Bonn (AIB) und Junkies, Ehemalige, Substituierte (JES) ein Mahnmal für Alexander, Stefan und andere Drogentote aufgestellt. Der Gedenktag steht in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Die verstorbenen Junkies (2005 hat die Polizei bislang sechs Bonner Drogentote verzeichnet) “sind für uns keine toten Toten", sagt Christa Skomorowsky aus dem JES-Landesvorstand. “Wir sehen sie vielmehr als Opfer einer inhumanen Drogenpolitik. Und verknüpfen unsere Trauer mit der Forderung nach Liberalisierung."

Derselben Meinung ist der Bremer Kriminologe und Soziologe Henning Schmidt-Semisch: “Die Illegalität der Drogen schafft Kriminalität und macht Konsumenten krank durch schlechte Qualität der Substanzen und mangelnde Hygiene. “ AIB, JES und Schmidt-Semisch teilen den Wunsch, dass Heroin eines Tages als Arzneimittel anerkannt wird und Ärzte es ähnlich wie Methadon verschreiben. Wie unpopulär ihr Ziel ist, wissen sie. Auch, dass allein das Wort Heroin bei vielen Menschen ein ganzes Bündel negativer Assoziationen auslöst. “Immerhin hat sich etwas getan. Ich hätte vor zehn Jahren nicht gedacht, dass wir in Bonn und in sechs weiteren deutschen Städten eine Heroin-Studie haben werden", sagt Skomorowsky.
(kis)

Quelle: Kölner Stadtanzeiger